Auf dem Weg

Foto von Ruben Götz, Quellhof 2019

Freude, Trauer, Angst und Glück. Die Gefühle sind überbordend, sprudeln und sie kann sich kaum halten. Manchmal möchte sie schreien. Doch etwas hält sie zurück. Sie passt sich an, versucht nicht aufzufallen. Eigentlich möchte sie einfach nur „normal“ sein. Was auch immer das sein mag. Wer sagt denn eigentlich, dass die von der Gesellschaft bezeichneten „Sonderfälle“ nicht die eigentlich „menschlichen“ unter uns sind? Spannend, einzigartig bist du doch, wenn du anders bist. Neu.
Angepasst? Nein. Sie will kein bequemes Leben. Veränderung trägt sie. Glühen. Anstrengungen, an Grenzen stoßen.


Das ist Leben! Aufregend, Hochgefühl, das Himmelschweben, im Strom der Inspiration baden. Als sie so aus dem Fenster starrt, sinnierend, steigen ihr mit einem Male Tränen in die Augen. Sie hat Angst.
Angst davor, irgendwann zurückschauen zu müssen und zu sehen: ich hatte ein normales, bequemes Leben. Ohne Veränderung. Angepasst. Wird es irgendwann darauf hinauslaufen? Enden alle Träume auf diese Art und Weise?
Was ist meine Aufgabe?
Wo musst du ansetzen?

Losgehen, den Weg finden. Nach dem Unmöglichen fragend das Mögliche erkennen. Die Grenzen ausdehnen, den Konventionen so richtig einfeuern.

Es ist eine lange, schwere Suche. Voll Tod und dem intensivsten aller Leben. Eine Grenzgängerin, die Unsicherheit ist ihre Heimat. Freiheit bedeutet für sie, auf sich selbst gestellt Entscheidungen treffen zu können. Holprig ist der Pfad, noch wenige Menschen sind ihn gegangen, und das ist auch schon lange her. Spitze Dornen zerkratzen auf dem Weg ihre nackten Waden, sie watet durch Flüsse, springt über eine tiefe Schlucht, wo in der Tiefe ein Bergbach tost. Sie steigt bis zu den Wolken, will dort einen Weg finden, wo noch kein Mensch vor ihr gewesen ist. Langsam wird es dunkel, im hellen Mondlicht sieht sie nur schemenhaft die nächsten Stufen aus Stein, die sie ihrem Ziele näherbringen. Als die Müdigkeit sich über ihre Augen legt, lässt sie sich ins Heidekraut sinken und betrachtet versonnen die glimmenden Sterne. Sie denkt an lang verflossene Zeiten, als die Menschen noch in den Sternen die Götter sahen. Die kosmische Schönheit als Ideal der Bildung ansahen, im Bewusstsein ganz in ihrem Umkreis, in der Natur. Ewig, ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgend, zogen die Götter ihre Kreise am samtblauen Himmelsgrund. Zu ihnen aufschauend fanden die Seelen auf Erden ihren Weg, die Bestimmung dieses Lebens. Doch dieser Zugang ist ihr verbaut. Meistens weiß sie gar nicht, ob sie überhaupt an Götter glauben sollte. Wäre das irreführend, lähmend? Würde sie damit ihre Freiheit ein Stück mehr aufgeben müssen? Oder würde sie andere Ziele verfolgen. Es ist kalt geworden in dieser späten Mondnacht. Still schaut sie an den Himmel, das Willensfeuer wärmt ihre Brust. Die Erde schweigt.

Als die Vögel mit lautem Gesang den Morgen begrüßen erwacht sie mit schmerzenden Gliedern. Fröstelnd streckt sie ihre kalten Glieder im Licht der ersten Sonnenstrahlen, die sanft ihre zimtfarbene Haut streichen. Der Weg ist lang und sie möchte weiter. Langsam, Schritt für Schritt wandert sie durch das hellviolette Heidekraut. Streift mit den Fingern sanft und liebevoll die schmalen Nadeln der Pinie und atmet frische Morgenluft. So geht sie weiter, die Flamme im Herzen und findet ihren ganz eigenen Weg durch eine von Verwirrungen durchzogene Welt.

Veröffentlicht von Lotte Marie

Wer bin ich? Wenn das so einfach zu beantworten wäre, dann wäre es vermutlich nicht eine Frage, welche ich mir so oft gestllt hätte. Es gäbe auch nicht unendliche online Tests, Leitfäden, nur um sich selbst zu finden. Und das obwohl ich ja immer bei mir bin. Rein theoretisch zumindest. Wie es sich in der Nacht verhält, im Zustand des Vertieftseins, das ist eine ganz andere Geschichte. Also um diese Frage zumindest oberflächlich zu streifen hier ein paar Randnotizen zu mir als Person, auch wenn du mich in meinen Texten vermutlich viel eher kennenlernen kannst, als in so einer Vita.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: