Ist das Leben ein Konkurrenzkampf?

Besteht das Leben lediglich aus einem täglichen Kampf ums Überleben?

Heute finden wir uns inmitten von Menschheitskrisen wieder. Die Corona-Pandemie sorgt im Moment für eine Veränderung des gesamten Alltags. Viele Menschen müssen sich beurlauben lassen oder in Kurzarbeit gehen, um nicht ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Das führt einerseits zu einem Gefühl von Unsicherheit. Die Angst lässt uns auf instinktive Schutzreaktionen zurückgreifen, wir erstarren, kämpfen oder fliehen. Doch können wir es uns in der heutigen Zeit leisten, zu erstarren? Stecken wir nicht zu sehr in der Scheiße, als dass wir jetzt in Angst an Altem festhalten können?

Dennoch ist anzumerken, dass sich im Moment ermutigende Gesten der Solidarität beobachten lassen. Wenn ich zum Beispiel einkaufen gehe, so komme ich oft an einem Gabenzaun vorbei. Dieser ist eigens eingerichtet, um obdachlosen Menschen eine Versorgung mit Lebensmitteln zu ermöglichen. Auch nähen viele Personen in meinem Umkreis Mundschutzmasken, bieten Einkaufshilfe an oder betreuen Kinder. In der aktuellen Lage sind Solidarität und Kooperation gefragt. Wir bemerken: Mit der alten Denkweise des Wettbewerbs kommen wir nicht weiter. Doch bei sehr vielen Menschen besteht die Annahme, der Mensch sei von Grund auf gierig und egoistisch weiter.

Liegt uns der Wettbewerb und der Kampf ums Überleben uns im Blut?

Wenn wir dies aus biologischer Perspektive betrachten, so ergibt es Sinn, uns unsere nähesten tierischen Verwandten anzuschauen. Die Wissenschaft zeigt uns heute, dass Moral und gegenseitige Unterstützung bei allen möglichen Tierarten von Wölfen, Delfinen bis hin zu Affen zu beobachten ist. Alle Wesen haben gewisse ethische Verhaltensregeln, die die Schwächeren einer Gruppe schützen und unterstützen. [1]

Wenn zum Beispiel eine junge Schimpansin eine Banane findet, so würden die Stärkeren der Gruppe diese nicht stehlen. Wenn der „Alpha“ diese Banane stehlen würde, könnte er dadurch sogar seinen Status einbüßen. Das zeigt, dass Affen es vermeiden, einen Vorteil aus der Schwäche anderer zu ziehen. Sie helfen sich sogar gegenseitig. Es wird oft berichtet, dass ein männlicher Alpha-Schimpanse ein verwaistes Affenbaby aufnimmt und es großzieht.(2) Die gegenseitige Unterstützung und Solidarität liegt demzufolge in unserer Natur. Wie kommt es dann, dass wir in wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Wettbewerb leben? Dass Statussymbole eine derartig große Rolle spielen? Dass es hauptsächlich um eigenen Gewinn zu gehen scheint? Und was ist der Preis dafür?

Ich stehe vor der Frage, wie können wir uns als Menschheit einer Krisensituation stellen können. Sollten wir uns darauf vorbereiten? Eins zumindest ist klar: wir sollten es tunlichst vermeiden, überhaupt in eine solche Lage zu kommen! Wir sollten uns der Klimakrise jetzt entgegenstellen. Der Mensch hat Unglaubliches geschaffen: Finanz – und Wirtschaftssystem, eine globalisierte Welt, Gesellschaften, Kultur und noch so viel mehr. Doch eines sollten wir uns immer wieder klar machen: Wir haben noch kein Ökosystem geschaffen. Wir Menschen, als ein Organ des Körpers Erde müssen erkennen, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind. Wir sind sogar so dumm, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage zerstören. Während wir weiter das Leben als einen wirtschaftlichen Konkurrenzkampf ansehen, reproduzieren wir die alten Denkmuster, die uns in diese Krisen geführt haben. Können wir uns dem entziehen? Heißt das Wiederfinden unserer biologischen Wurzeln einen Schritt zur Solidarität und Kooperation?

Fragen lernen

Ein Thema, das ich im Hinblick auf eine Veränderung unseres Zusammenlebens erwähne, ist das Fragen. Denn ich denke, wir haben verlernt die richtigen Fragen zu stellen. Wir begeben uns stattdessen in das tägliche Hamsterrad. Aufstehen- zur Arbeit- Hausarbeit und am Ende, wenn die Kraft noch reicht, Familienzeit. Im alltäglichen Stress sind die meisten grundlegenden Fragen eher wie lästige Fliegen. Was ist der Mensch? Warum gibt es einen Klimawandel? Wie sind wir in diese Lage gekommen? Was bedeutet Solidarität auf globaler Ebene? Solche Fragen sind unbequem, sie lassen uns die eigene Machtlosigkeit spüren. Oder besser: die vermeintliche Machtlosigkeit. Im Fragen steckt jedoch eine unerwartete Anziehungskraft und Offenheit. Beim Fragen öffne ich mich einem Thema. Ein Gespräch wird so nicht ein „Kampf der Standpunkte“, in dem wir alles abwehren, was das eigene Weltbild zerrütten könnte. Denn im Eifer eines solchen Gefechtes geht nicht selten die grundlegende Frage und der Blick aufs große Ganze verloren. Ich bin überzeugt davon, dass jeder verstrichene Tag, an dem wir keine Fragen stellen, eine vergeudete Chance ist. Eine verstrichene Möglichkeit in Freiheit und Zusammenklang mit den eigenen Werten, neue Entscheidungen zu treffen.

Warum also nicht Fragen stellen?

Wie kommt es, dass wir nur selten Fragen stellen? An mir selbst konnte ich Folgendes beobachten: Oft habe ich Angst zu fragen. Ich bin besorgt, dass ich für dumm gehalten werde. Wer hat nicht schon den Satz gehört „Jetzt frag nicht so dumm“? Doch wie sollten wir uns sonst weiterentwickeln, die vielen Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen bemerken und uns zugehörig fühlen? Ich appelliere nun zum Abschluss an den Mut, Fragen zu stellen. An den Mut, anderen zu helfen. An den Mut, Verletzlichkeit zu zeigen und gütig mit sich und anderen umzugehen. Das Leben ist kein Kampf, es wird nur von einigen als ein solcher gelebt. Der Mensch ist nicht von Grund auf gierig. Wir sind entwicklungsfähig. Und um dieses Potential zu entfalten, müssen wir wieder lernen zu fragen. Die lästigen Fliegen sein, die sich immer wieder bemerkbar machen, und die Menschen dazu bringen, aus dem Hamsterrad hinauszuspringen und die wirklichen Fragen unserer Zeit zu stellen

[1] Dr. Noah Yuwal Harari, 21 Lessons for the 21st Century, Seite 219 (2) https://www.scinexx.de/dossierartikel/adoption-auf-affenart/

Feminismus – Brauchen wir den heute noch?

Photo by Ben Engelhard

Brauchen wir den überhaupt noch?

„Was habt ihr denn?“ und „Mit dem Thema sind wir hier doch fertig“. Das sind Sätze, die ich oft zu hören bekomme, wenn ich über Gleichberechtigung und Feminismus spreche. Dass viele Menschen Männer und Frauen als bereits gleichberechtigt sehen, ist zwar auf dem Papier weitestgehend richtig. Doch sind wir das wirklich?

Nicht nur Gender Pay Gap (Pay Wall), Sexismus und das Frauenbild der Pornoindustrie zeigen: wir haben noch einen Weg vor uns, bis wir von echter Gleichberechtigung sprechen können. Frauen sind häufiger von sexueller Gewalt betroffen. 40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16 Lebensjahr solche Erfahrungen gemacht. Dazu gehört auch strukturelle Gewalt und Mehrfachdiskriminierungen. Etwa in Form von Rassismus, Behindertenfeindlichkeit, Homo – oder Transfeindlichkeit. Das geschieht Zuhause, auf der Straße und in Institutionen und Behörden. Wir haben also auch in Deutschland noch viel zu tun!

Faktisch ist es so, dass Frauen noch immer 20% weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Nur ein Drittel der Führungsebenen (Pay Wall) sind mit Frauen besetzt. Auf der Arbeit werden Frauen dann oftmals auf ihr Äußeres reduziert. Dabei gerät das, was sie zu sagen haben und ihre Kompetenzen in den Hintergrund. Das Beispiel Greta Thunberg zeigt dies erschreckend deutlich: „Handpuppe“ und „Zopfmädchen“ sind gängige Bezeichnungen ihrer Person. Auch ihrem Gesichtsausdruck wird sehr viel Zeit gewidmet. Wobei sich diese Debatten offensichtlich auf ihr Aussehen beschränken. Ihre wichtige Botschaft gerät dabei leider aus den Augen.

Feminismus muss global sein

Feminismus ist im Trend. Sogar Fast Fashion Labels bieten T-Shirts mit den Aufschriften „Girlpower“ und „Feminist“ an. Doch mir stellen sich schon beim Gedanken daran die Nackenhaare auf. Sollte ich mich nicht freuen, dass solche Aussagen „mainstream“ geworden sind? Wenn junge Frauen und Kinder in Fabriken in Bangladesch für einen Hungerlohn Kleidung mit feministischen Botschaften nähen, dann ist das mehr als nur ironisch. Sollte ich ernsthaft an Frauen-Empowerment interessiert sein, dann kann ich diese ausbeuterischen T-Shirts nicht kaufen. Wenn ich unbedingt neue Kleidung kaufen möchte, dann gehe ich in einen Laden, bei dem ich weiß, dass z.B. faire Löhne bezahlt werden. Da ich mich für Menschenrechte und die Rechte von Frauen interessiere, schütze ich zudem die Umwelt und das Klima. Denn: Auch die Klimakrise ist eng verbunden mit Gleichberechtigung und sozialer Gerechtigkeit. Frauen sind global gesehen von der Klimakrise stärker betroffen. Durch Machtverhältnisse, Rollenverteilung und weniger Rechte können Frauen nur wenig bei politischen Entscheidungen mitreden. Dennoch müssen Frauen viel öfter die Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen tragen. Dies betrifft unter Anderem Bereiche wie Landwirtschaft, Wasserknappheit, Gesundheit, und Biodiversität. Diesem Thema werde ich mich aber in einem anderen Artikel widmen.

Was macht Feminismus heute aus?

Mir ist es wichtig, immer wieder auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Frauen sind noch immer strukturell benachteiligt in unserer Gesellschaft. Spätestens beim Eintritt in die Arbeitswelt wird das für die meisten spürbar. Wir dürfen nicht vergessen: Frauenrechte sind noch jung, in der Schweiz gibt es erst seit 23 Jahren (!) das Frauenwahlrecht. Unvorstellbar heute, oder? Also gilt es auch, die von unseren Vorgängerinnen hart erkämpften Rechte zu wahren und zu schützen. Dazu gehört für mich, dass wir andere Frauen unterstützen und dies auf alle diskriminierten Gesellschaftsgruppen ausweiten. Denn ein Kampf für Gleichberechtigung muss logischerweise gleiche Rechte und Freiheiten für ALLE einfordern.

„Man darf ja wohl noch Komplimente machen“

Ja, klar. Ich freue mich über Komplimente. Wenn diese jedoch ungewollte, längere Konversationen und eineverpflichtende „Revanche“ z.B. in Form eines zusammen konsumierten Getränkes nach sich ziehen, dann nicht.

„Man darf ja wohl noch Witze machen“.

Viele dumme Kommentare werden immer wieder gerechtfertigt: „Das war doch nur ein Witz“. Es gibt Dinge, über die macht man keine Witze. Punkt. Besonders wenn die Witze von Menschen gemacht werden, die sich schon allein durch ihre Herkunft und ihr Geschlecht noch nie mit diesen Diskriminierungsformen konfrontiert sahen. Wenn ein Witz eine lange Vorgeschichte von Unterdrückung hat, dann sollte der*die privilegierte Witze-Erzähler*in tunlichst die Klappe halten. Diskriminierungsmuster werden nämlich auch durch vermeintlich lustige Bemerkungen reproduziert.

Alltagssexismus und Klappe halten

Noch immer müssen Frauen sich im Alltag, auf der Arbeit und sogar im Freundeskreis sexistische Kommentare anhören. Wenn ich einen Menschen darauf hinweise, dass etwas ein sexistischer Kommentar war, so höre ich leider selten eine ehrliche Entschuldigung. Stattdessen werde ich mit Rechtfertigungen bestürmt. Gerade als wäre ich diejenige, die etwas Diskriminierendes gesagt hätte. Auch veraltete Rollenbilder sind leider nicht aus unseren Vorstellungen, der Sprache und den Gedankenmustern verbannt. Hier zum Beispiel eine Situation, die sich vor kurzem in der Uni während einer Vorlesung ereignete: Die Professorin wollte mithilfe eines Beamers ihre Folien an die Wand projizieren. Leider gab es einige technische Schwierigkeiten. Mit einem sauren Lachen meinte sie vor dem ganzen Saal: „Ja, ja. Frauen und Technik eben.“ Als sich nach einigem Bemühen noch immer nichts tat, fragte sie in den Vorlesungssaal: „Gibt es einen Mann hier, der mir mit der Technik helfen kann?“ Sie machte ganz schön große Augen, als eine junge Frau aufstand, einige Kabel umsteckte und das Problem behob. Dies zeigt, wie festgesetzt Klischees in unseren Köpfen sind. Mich macht es traurig, dass noch immer die Unterschiede zwischen Frauen und Männern gesucht werden. Obwohl diese viel kleiner sind als die Verschiedenheiten innerhalb. Ich finde es schade, dass solche Vorurteile immer wieder verbal weitergetragen werden, sogar von Denjenigen, die dadurch degradiert werden.

Kampf dem Patriarchat!!

Der Kampf gegen das Patriarchat beinhaltet also nicht nur die Verbannung alter Rollenbilder, sondern auch eine Neudefinition von Männlichkeit und Weiblichkeit. Eine Verabschiedung von alten Klischees, Vorurteilen und Machtstrukturen. Hin zu mehr Freiheit und Liebe. Wie die Philosophin und Autorin Margarete Stokowski klar sagt: „Wir haben das Glück, […] die Kämpfe derer weiterzuführen, die damit angefangen haben […]“. Und genau das sollten wir heute tun. Zwar ist viel gewonnen, aber das gilt es nun zu bewahren und weiter voran zu gehen. Denn wie Margarete Stokowski schreibt: „Ich weiß nicht, was noch kommt und woran ich in meinem Leben noch glauben werde, aber ganz sicher niemals ans Schweigen“.

Hinweis: Zur Transparenz möchte ich sagen, dass ich zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels die Schreibweise „Frauen*“ verwendet habe. Ich wurde darauf hingewiesen, dass dies diskriminierend sei. Deswegen habe ich das sofort verbessert und hoffe, dass ich durch meine (vielleicht etwas zu gut gemeinte) Schreibweise niemanden diskriminiert oder ausgeschlossen habe.

Wie können wir die Welt verändern?

Photo by Ben Engelhard

Gestern Mittag saß ich an meinem Schreibtisch und wollte arbeiten. Doch war ich von innerer Unruhe getrieben, konnte mich nicht konzentrieren. Meine Gedanken rasten unermüdlich – nicht auf eine gestresste Art und Weise, sondern suchend, träumend. Wie viel Wandel andere Menschen in der Welt schafften, während ich hier saß! Ich hörte mich laut zu mir selbst sagen: „Du musst jetzt erst einmal raus, in die Natur und nachdenken.“ Gesagt, getan. Eilig packte ich meinen Hausschlüssel und ein Buch in eine Stofftasche und lief los in Richtung Wald. Das Gefühl, etwas tun zu müssen, war ein Ermutigendes. Ich kann nicht tatenlos zusehen, wenn ein so großer Wandel in der Welt geschieht, dachte ich. Nein, ich will Teil davon sein und ihn mitgestalten! Kurz kam mir der Gedanke, nach Lesbos zu reisen – ich entschied mich jedoch dagegen, da ich keine besonderen Fähigkeiten, keine Ausbildung habe. Nichts, was mich wirklich dazu befähigt, dort zu helfen. Auch würde ich durch eine Reise – die nicht zuletzt fast unmöglich wäre – mehr Menschen gefährden, als wenn ich zu Hause bliebe. Denn während ich diesen Text schreibe, zwingt uns die COVID-19-Pandemie, Distanz zu Anderen zu wahren und in Quarantäne zu bleiben, um gefährdete Mitmenschen zu schützen. Während ich so darüber nachdachte, was zu tun sei, lief ich durch den Wald und sah um mich herum überall Müll liegen. Kurzerhand begann ich, diesen aufzusammeln. Mit einem Mal wurde ich von anderen Menschen im Wald angesprochen und angelächelt. Sie sagten, sie seien inspiriert davon, was ich täte und wollten sich das nun auch angewöhnen. Später an diesem Nachmittag besuchte ich meine Eltern, die zu meinen Kontaktpersonen gehören. Dort nähte ich Mundschutze für die Menschen, die sich im Flüchtlingslager auf Lesbos um die Gesundheitsversorgung kümmern. Wieder ein winziger Tropfen auf den heißen Stein. Aber dennoch wurde ich so Teil eines Flusses von Menschen, die etwas tun wollen.

Wichtige Fragen stellen

Gerade jetzt ist der Moment, sich selbst und anderen wichtige Fragen zu stellen. Ich frage mich: Was bereitet mir wirklich Freude? Gefällt mir das, was ich im Moment mit meinem Leben tue? Ich zweifle an meinem Motiv: Mache ich das alles nur aus Angst, nicht in dieser Gesellschaft bestehen zu können? Was sind wirklich meine Träume? Ich versuche bewusst und mutig Liebe in zu leben, so wie ich es auf einem „Visionspfad“ letzten Sommer entschieden habe. Dabei ging es darum, Zeit ganz allein in der Natur zu verbringen. Auf diesen Wanderungen bekamen wir Fragen gestellt, über die wir nachdachten Dazu gehörte auch die Frage, wie ich in der Welt wirken möchte. Damals habe ich mich für fünf Prinzipien entschieden, die ich durch mein Leben in die Welt bringen möchte. Ich benannte Intuition, Mut, Liebe, Heilung, Inspiration und Achtsamkeit als meine leitenden Werte. Zuerst dachte ich tief in mir drinnen, dass ich mir damit viel zu viel vorgenommen haben könnte – ein heimlicher Gedanke. Doch mit der Zeit lerne ich meiner Wahl mehr und mehr zu vertrauen. Vertrauen in meine Fähigkeit, diesen Prinzipien Schritt für Schritt in mein Leben zu integrieren – auch wenn es sein kann, dass ich sie zwischendurch immer wieder aus den Augen verliere. Ich verstehe sie als Ruf aus der Zukunft, dem ich zuhören und folgen kann. Sie ermöglichen mir immer wieder neue Orientierung, wenn ich nicht weiter weiß oder etwas Neues ausprobieren möchte. In der aktuellen Situation werde ich durch die plötzliche Ruhe und das Alleinsein mit Ängsten und lang verdrängten Gefühlen konfrontiert. In dieser Situation versuche ich, bewusst zu reflektieren, was mir diese Gefühle zu sagen haben. Ich frage mich zum Beispiel, wann in meinem Leben mein Ego handelt, mein Ego sich ängstigt und warum. Wie oft bin ich in meinem Alltag als selbstgefälliges, ruhmsüchtiges Arschloch unterwegs? Mir diese Fragen zu stellen kann ganz schön unangenehm sein. Doch so sehr ich mich innerlich dagegen sträube, so sehr kann ich daraus lernen meine Haltung zu prüfen, mit der ich in der Welt stehe. Aus dieser Reflexion entstand mein Beschluss, mit mir selbst gütiger umzugehen. Ich möchte lernen, mir zu verzeihen. Zugleich will ich weiter aufmerksam beobachten, welche Motive mein Handeln bestimmen und gegebenenfalls an ihnen arbeiten.

Wir stehen uns selbst im Weg

Ich denke, der Wandel, der in die Welt kommen will, wird nicht aus alten, reproduzierten Egomustern kommen, sondern aus der Ruhe und freien Selbstentfaltung. Viele Menschen, mit denen ich spreche, denken viel mehr darüber nach, was alles nicht möglich ist, was sie nicht können als über das, was möglich ist. Dabei verlernen wir, dass wir eigentlich viel mehr können, als wir uns selbst zutrauen. Maja Göpel, eine Wirtschaftswissenschaftlerin, sagte in einem Interview [1], dass wir uns durch dieses gewohnte Verhalten im Hinblick auf eine sozial-ökologische Transformation selbst im Weg stehen. Viel zu wenig glauben wir daran, dass wir sie schaffen könnten. Ich verstehe sie so: Wir vermögen viel mehr, als wir uns selbst auf unseren gewohnten Gedankenpfaden vorstellen können. Oft sind diese nämlich schon ziemlich ausgelatscht. Besonders Träume sind ein wichtiges Mittel, um herauszufinden, wohin wir wollen. Wonach sollen wir denn unser Handeln und unsere Entscheidungen ausrichten, wenn wir nicht wissen, wohin wir wollen? Visionen haben das Potential, ein sehr kraftvoller Ruf aus der Zukunft zu sein, wenn wir es nur wagen, uns konkrete Schritte vorzustellen. Wenn wir in einer Krisenzeit nicht weiterwissen, und wir uns in einer scheinbar ausweglosen Situation wiederfinden, wenn wir mit unserer eigenen Angst konfrontiert sind, dann sind die instinktiven Reaktionen häufig Flucht, Erstarren oder Kampf. Wir greifen dann auf alte Denkmuster zurück, die wir uns im Laufe unserer Biografie angeeignet haben, halten an Altem fest und verbauen uns auf diese Art und Weise neue Wege. Aber gerade in einer Krisensituation brauchen wir eine Veränderung des Status Quo, eine Transformation der Denkweise, die uns in diese Krise geführt hat. „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Albert Einstein)(2)

Neue Denkweisen

In diesen Notsituationen müssen wir uns gegen das Starre, auf Altem Beharrende in uns wenden und stattdessen unseren Willen auf die Verwandlung fokussieren. Wenn ich innehalte und frage: „Was brauche ich wirklich?“, so reduziert sich das zumeist auf grundlegende Dinge: geliebt werden, selbst zu lieben, Schlaf, Nahrung und dazu beizutragen, dass die Welt gut und gerecht ist. Darauf aufbauend kann ich mir eine klare Vision bilden, wie wir in Zukunft als Menschheit zusammen auf diesem wunderschönen Planeten leben könnten. Was blockiert mich auf diesem Weg? Manchmal merke ich, dass ich ziemlich gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfen muss. Es ist harte Arbeit, mich mit meinem Willen den alten, antiquierten Verhaltens– und Gedankenmustern zu widersetzen. Was mir dabei hilft, ist ein Motiv zu haben, das mich tief in meinem Inneren berührt. Es hilft mir, zu wissen, warum ich das tun möchte. Bekräftigend kann auch eine Erkenntnis wirken, die so tiefgreifend ist, dass mir keine Möglichkeit bleibt, als nach ihr zu handeln. Solche Momente durfte ich schon häufiger erleben. Aber zwei Ereignisse haben mich und meine Welt wirklich verändert. Vor drei Jahren wurde ich auf einer langen Reise krank, musste im Bett bleiben und fühlte mich verloren in der großen Welt. Ich war noch nicht politisch aktiv, aber schon seit ein paar Jahren Vegetarierin. Ich dachte über mein Vegetarierin-Sein nach und stieß auf eine Frage, die ich bisher immer in den Hintergrund gedrängt hatte: Warum gibt es Menschen, die vegan leben und sich politisch für Tierrechte einsetzen? Bisher hatte ich das Thema als für mich nicht relevant abgetan, hatte immer gesagt „Ich könnte das einfach nicht.“ Jetzt hatte ich nichts anderes zu tun und wusste, dass ich endlich nach einer Antwort suchen musste. Offenheit und Bereitschaft waren in mir gewachsen, um mich mit diesem Thema endlich zu beschäftigen. Ich begann nun zu recherchieren, Interviews zu lesen und mir ein möglichst breites Bild der Sachlage zu erarbeiten. Nach einem langen Tag, den ich mit dem Lesen von Artikeln und einigen Dokumentationen verbracht hatte, stand mein Entschluss so gut wie fest. Ich wusste, ab diesem Tag würde ich es nicht mehr verantworten können, so weiter zu leben wie bisher. Für Tiere, Menschen und Natur. Diese Erkenntnis berührte mich in meinem tiefsten Kern. Auch meinen Entschluss, Klimaaktivistin zu werden, traf ich, als ich die Erkenntnis hatte, dass es so nicht weitergehen darf. Nachdem das Thema mich auf einer tieferen Ebene berührt hatte. Nach solchen Erlebnissen war mein Leben ein anderes, es gab kein Zurück mehr.

Aufwachen und Inspirieren

„Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man strebt, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.“ (Erich Fromm)[3] Ich hoffe, dass diese Art von „Aufwachen“ mehr und mehr ein ansteckendes Erwachen wird. Dass viele Menschen die tiefe Erkenntnis spüren, so nicht mehr weiterleben zu können und zu wollen. Und damit dieser Impuls nicht verebbt, brauchen wir eine Gemeinschaft, die diese Ziele mitträgt. In der wir uns nicht an einen alten, verkrusteten Status Quo anpassen und unsere Visionen verdrängen müssen, um dazu zu gehören. Ich brauche stattdessen eine Gemeinschaft, in der es normal ist, gemeinsame – und auch individuelle – große Träume zu haben. In der wir uns nicht durch unsere Unterschiede trennen lassen. Ich möchte in einer Welt leben, in der wir uns gegenseitig Mut machen, den eigenen Visionen nachzugehen. In der wir dies im vollen Bewusstsein unserer eigenen Würde und Freiheit tun und dabei nicht die unantastbare Würde außer Acht lassen, die allem um uns herum innewohnt. Ich träume von einer Gesellschaft, in der wir Menschen wieder den Mut haben, uns zu öffnen. In der wir uns berühren zu lassen von den Wundern der Welt, von anderen Menschen und Tieren. Was hat dies mit einer Weltveränderung zu tun? Ich denke, um als Gemeinschaft einen Wandel zu bewirken, brauchen wir Zusammenhalt und Stabilität durch bedingungslose gegenseitige Unterstützung. Ich habe keine Lust auf Wettbewerb und Gegeneinander, sondern weiß, dass wir nur zusammen wirklich Großes bewegen und über uns hinauswachsen können. „Nur eine große Gruppe, die gut untereinander vernetzt ist und eine gewisse Arbeitsteilung kennt, hat die Chance, Neues zu erfinden und das Wissen an die Nachkommen weiterzugeben“, sagt Chris Stringer, (Neandertaler-Experte am Londoner Natural History Museum)[4]. Die heutigen Herausforderungen fragen nach selbstbestimmten Individuen, die nicht aus Angst und Aversion die Welt verändern wollen. Sondern aus Liebe und im Anblick der Würde aller Existenz.

Was brauchen wir, um die Welt zu verändern?

Folglich ist eine große Frage, die mich beschäftigt: Wie können wir die Rahmenbedingungen für einen Wandel hin zu einer Gemeinschaft schaffen? Dann eine andere Frage, die in meinem Studium, einem Pionierjahrgang für selbstbestimmte Bildung, sehr präsent ist: Welche Art von Bildung brauchen wir, um uns als selbstbestimmte, freie Menschen von der Welt berühren zu lassen und diese mit großen Visionen zu gestalten? Wir fragen uns: Wie können wir Fähigkeiten im Denken, Fühlen und Tun erwerben, damit wir eigenständig Initiative ergreifen können, um die Welt zu verändern? Und welche Basis brauchen wir dafür auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene? Brauchen wir ein neues Wirtschaftssystem, wenn wir im Einklang mit der Natur und im Verständnis der Würde der Menschen und Tiere leben wollen? Es ist eine wichtige Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen. Rilke schreibt in seinem Brief an einen jungen Dichter folgende Sätze: „Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.“[5] Deshalb frage ich mich: Wie können wir als Individuen die Gemeinschaft bilden, die uns zusammenhält und trägt? Wie können wir Barrieren überwinden, wie unterschiedliche Weltbilder?

Lebenslanges Lernen

Hier bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt: Dem Moment, in welchem ich mich entschloss, gütig mit mir selbst und anderen umzugehen. Ich habe verstanden, wie wichtig es ist, meinen inneren Frieden zu finden, mir zu vergeben und dies dann nach außen zu tragen. Meine Motive und mein Verhalten bewusst zu reflektieren und aus dieser Reflexion Werte zu bilden. Werte, nach denen ich selbstbestimmt handeln kann, Entscheidungen treffen kann, Dinge in mein Leben einlade, die ihnen entsprechen. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der mein entschlossenes „Nein“ zu Dingen, die nicht meine Werten entsprechen, unterstützt wird. Ich möchte nicht durch Werbung geradezu genötigt werden, Dinge zu konsumieren, die ich nicht brauche – während zugleich klipp und klar gesagt wird, wir müssten die Ressourcen schonen. Das ist paradox. Und um das zu verändern, brauchen wir eine Lösung, die wir nur alle zusammen erarbeiten können. Mit kollektiver Intelligenz lassen sich ganz neue Lösungen entwickeln. Gemeinsam kommen wir auf neue, ganz andere Ideen und können durch die gegenseitige Unterstützung viel mehr möglich schaffen. Durch diese Unterstützung können wir wahre Freiheit erleben: Wir werden immer wieder aufgefangen, anstatt miteinander im Wettbewerb zu sein. In dieser Sicherheit kann jedes Individuum sich seine Zeit für die eigene Entwicklung nehmen und in Freiheit sein Potential entfalten. Wenn wir also eine Kultur des lebenslangen Lernens, der Entwicklung schaffen und uns gegenseitig stärken, dann können wir uns den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen. Wir sind alle Menschen, und dürfen auf diesem wunderschönen Planeten leben. Es gibt viel mehr was uns vereint, als uns scheidet. Und gemeinsam können wir viel mehr, als wir uns heute erträumen können.

Weitere Artikel findet ihr unter: https://www.druckmagazin.org/aktuell/

Quellen:[1]https://pioneersofchange-summit.org/slp/maja-goepel/, 18.3.2020[2] studienscheiss.de: Zitate Albert Einstein, 2.4.2020 [3]www.zitate.de: Erich Fromm, 5.4.2020 [4] Welt.de: Wie der Homo Sapiens so erfolgreich werden konnte, 2.4.2020 [5] Diese Zeilen stammen aus einem Brief von Rainer Maria Rilke „an einen jungen Dichter“ (Franz Xaver Kappus), in dem sie eingestreut sind. Zum Brief: http://www.rilke.de/briefe/230403.html

Krisenlehre?

Was können wir aus der Covid-19 Pandemie lernen?

Eigenes Bild, März 2020

Ich bin mir meines Privileges wohl bewusst, dass ich in Zeiten wie diesen den Atem und die Ruhe habe, über die Chancen und Lehren einer Krise nachzudenken. Auch sehe ich nicht nur eine Chance, sondern auch eine Gefahr. Es wäre unangebracht in der jetzigen Lage, die beiden Krisen gegeneinander auszuspielen oder die eine als Lösung der anderen zu betrachten.

Doch auch heute, und mit jedem vergangenen Tag, an dem nicht entschlossen die politischen Maßnahmen für Klimagerechtigkeit und Klimaschutz umgesetzt werden, verrinnt das Jahr, welches wirdafür nutzen müssen. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es wichtig ist, gerade in Krisensituationen mit ganz viel Achtsamkeit in die Welt zu schauen. Im Moment können wir sehen, auf welch wackligen Beinen unser System steht. Die Unterbezahlung in u. A. Krankenhäusern, Supermärkten, Verkehr und Altenpflege tritt deutlicher hervor denn je. Die COVID-19 Pandemie wird zudem wirtschaftliche Nachwirkungen haben, die Zahlen und Einschätzungen variieren im Moment noch stark. Dennoch lässt sich mit der drohenden Wirtschaftskrise auch eine soziale Krise erahnen. Jetzt kommt es darauf an, auf den verletzlichsten Teil unserer Gesellschaft zu schauen, denn letztendlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Ganz besonders jetzt merken wir das, wo an fast allen Orten der Welt eine ähnliche Situation im Hinblick auf die Corona – Pandemie vorzufinden ist. Die Länder, welche über die geringsten finanziellen Ressourcen verfügen, und somit wenig Kapazitäten in ihrer Gesundheitsversorgung haben, werden nun von den Auswirkungen der aktuellen Ausnahmesituation am härtesten getroffen. An dieser Stelle lässt sich mit Vorsicht eine erste Parallele zur Klimakrise erkennen. Wenn wir über die Klimakrise sprechen, so wird auch in diesem Zusammenhang deutlich, dass sich globale und soziale Ungerechtigkeiten dadurch verstärken. Die Klimaaktivsitin Vanessa Nakate aus Uganda berichtete in einem Webinar von Fridays for Future Deutschland, dass in ihrer Heimat die Klimakrise schon lange keine Frage der Zukunft mehr ist. Menschen verfügen über weniger Nahrung, weniger Trinkwasser, der Meeresspiegel steigt und zerstört die Lebensgrundlage von vielen Menschen. Besonders Frauen sind von den Auswirkungen betroffen, denn sie müssen lange Strecken gehen, um sauberes Trinkwasser zu holen, es gibt nicht genug Nahrung für die Familien und nicht genug Zugang zu Bildung. Durch fehlende Bildung und eine unsichere Lebensgrundlage ist nicht allein die Gegenwart von Menschen in Gefahr, sondern auch die Chancen für die Zukunft werden verbaut. Um all dem nicht mehr nur zusehen zu müssen, ging Vanessa auf die Straße, um zu protestieren. „I did it for humanity“ sagt sie in einem Webinar von Fridays for Future Deutschland. „We can´t just watch, we have to raise our voices!“ Doch auf die Straßen zu gehen, und für Klimagerechtigkeit zu protestieren, das ist in Uganda mit Gefahren verbunden. Es ist sehr riskant und es gibt nicht viel Meinungsfreiheit. [1]

„Justice has to be for everyone!“[2] sagt Vanessa Nakate. Wir müssen die Stimmen der Betroffenen der Klimakrise endlich hören, und etwas tun.

Doch wie können wir mit der Klimakrise umgehen? Ich denke, einer der wichtigsten Schritte wäre, die Klimakatastrophe als eine solche nicht nur verbal anzuerkennen, sondern auch dementsprechend zu handeln. An der Corona – Krise, und den damit einhergehenden Maßnahmen konnten wir erkennen, dass unsere Regierung sehr wohl über Handlungsspielräume verfügt. Da wir bei der Klimakrise jedoch nicht autoritär die Grundrechte von Menschen einschränken, und die Lebensgrundlage von anderen gefährden wollen, müssen wir rechtzeitig beginnen, auf demokratischer Basis klare Regelungen einzuführen. Diese könnten z.B. durch Bürger*innenräte erarbeitet werden in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen, dazu komme ich später.

Besonders Solidarität ist in einer Krisensituation einer der wichtigsten Faktoren für deren Bewältigung, und diese muss dabei Alle miteinbeziehen. Das gilt nicht nur für gerechte Bezahlung in den wirklich relevanten Berufen, sondern auch auf globaler Ebene. Was wir brauchen ist ein Paradigmenwechsel, von Wettbewerb zur Kooperation, von der Konkurrenz zur Zusammenarbeit und zur gemeinsamen Krisenbewältigung. Eine Wirtschaftskrise bringt zwar einen Rückgang der CO2-Emissionen mit sich, doch wie wir an der letzten Finanzkrise sehen können, schnellen bei einer Beibehaltung des Status Quo die Emissionen danach global in die Höhe. Diesen sogenannten „Rebound-Effekt“ konnten wir 2008 beobachten, wo die Emissionen nach der Krise um 5,9 Prozent anstiegen. Das können wir uns diesmal nicht mehr leisten, wenn wir nicht mit der Lösung des einen Problems das andere direkt befeuern wollen. Auch müssen wir uns diesmal definitiv die Frage stellen, was wollen wir nach der Krise wiederaufbauen? Das letzte Mal wurden „systemrelevante“ Industrien, Konzerne und Banken gerettet, doch was ist diesmal relevant? Wir können nicht so weitermachen wie bisher, das ist deutlich, also sollten wir uns jetzt schon anfangen über die Umsetzung von schon existierenden Lösungen nachzudenken. Darüber, was diesmal als „systemrelevant“ gelten soll.

Was können wir an dem politischen Umgang mit der COVID-19 Pandemie lernen? Ich denke, eine der grundlegendsten Beobachtungen ist der Unterschied, den es macht im Verhalten der Menschen, wenn eine Krise deutlich als solche behandelt wird. Bei der Klimakrise geht es sich nicht nur um die Erderwärmung, sondern sie ist gleichzeitig eine Gerechtigkeitskrise, eine Gesundheitskrise und eine ökologische Krise. Dazu kommen humanitäre Faktoren wie Flucht, zerstörte Lebensgrundlagen und Hunger. Um endlich einen adäquaten Umgang mit dieser Situation zu finden, brauchen wir nicht nur uneingehaltene Klimaziele, Co2-Steuern und wirtschaftliche Anreize, sondern wir müssen uns schon heute auf die Klimakrise vorbereiten und klare Gesetze orientiert an den unbestreitbaren Regeln der Natur aufstellen. Wenn wir den politischen Willen und das Engagement beobachten, was die Politik im Hinblick auf die Corona-Krise zeigt, so wird deutlich: „Wenn sie will so kann die Welt. Also will sie nicht beenden das Krepieren in den Kriegen, das Verrecken vor den Stränden und, dass Kinder schreiend liegen in den Zelten, zitternd, nass. Also will sie. Alles das.“[3]

Scheinbar hat hier die Politik keine Scheu, mit Gesetzen und klaren Regeln vorzugehen, sogar Grundrechte einzuschränken. Das bedeutet nicht, dass ich dafür kein Verständnis habe und die Beweggründe nachvollziehen kann und unterstütze. Ich frage mich nur, warum bei der Klimakrise, die uns mindestens genauso treffen wird und die heute schon Leben fordert, nicht so entschlossen vorgegangen wird. Wenn wir jedoch nur annähernd auf gesetzliche Regelungen beim Thema Klimaschutz zu sprechen kommen, so fallen Begriffe wie „Ökodiktatur“. Dabei wollen wir genau das verhindern. Wir sollten es nicht so weit kommen lassen, dass wir undemokratisch mit grundrechtseinschränkenden Maßnahmen durchgreifen müssen. Noch haben wir die Möglichkeit, demokratisch, im vollen Verständnis der Ernsthaftigkeit der Lage, in Zusammenarbeit aller Generationen, und zusammen mit schon heute Betroffenen der Krise, unsere gemeinsame Vorgehensweise zu erarbeiten. Folglich handelt es sich eher um eine „Ökodemokratie“, wenn wir so wollen. Bei einer solchen Verhandlung, z.B. in Form einer Bürger*innenversammlung könnte es zunächst um die Frage gehen, wie wir zu vernünftigen Beschränkungen kommen, die nicht die bestehenden Ungleichheiten verstärken, oder auf den Schultern der Verletzlichsten unserer Welt getragen werden. Das, was einige Wenige als das Ausleben ihrer „Freiheit“ bezeichnen, ist in meinen Augen stark zu hinterfragen. Woher nehmen wir das Recht, auf Kosten anderer zu Leben? Woher nehme ich die Annahme, das Recht zu haben, Dinge zu konsumieren, die unter Bedingungen hergestellt werden, die weder Menschenwürde noch den Wert von Natur und Ressourcen respektieren. Endet deine Freiheit nicht, wenn andere für dich sterben?

Auch müssen wir uns fragen, was denn wirkliche „Einschränkungen“ wären. Was ist denn schlimmer, kein sauberes Trinkwasser zu haben, oder nicht mit dem SUV durch die Städte kurven zu dürfen? Der Verlust der Natur, das Aussterben von Tierarten, oder der kurze „Genuss“ eines Steaks? Ein Verbot von Kohlestrom und Fracking, oder der Verlust der Ökosysteme? Wäre das Verbot von Werbung, welche mir täglich vorgaukelt, etwas zu brauchen, noch mehr konsumieren zu müssen, entgegen dem Wissen der endlichen Ressourcen und den Grenzen des Wachstums, ein Verlust? Was ist wahre Freiheit? Der heutige Begriff von Freiheit als einer Wirtschaftsfreiheit reicht in meinen Augen nicht aus für die Zukunft. Ich denke, wir müssten uns einen neuen Begriff der Freiheit bilden, die auf einem Menschenbild basiert, welches ganzheitlich ist, und der Akzeptanz und Bewahrung der Würde beruht. Eine gängige Definition von Freiheit ist, uneingeschränkt und befreit zu leben. Eine aktuelle Frage wäre nun, was es bedeutet uneingeschränkt zu leben. Sind die Einschränkungen, welche durch die Zerstörung des Ökosystems schon heute zu sehen sind, nicht die gravierendsten für uns Menschen, die wir Organ dieses Systems „Erde“ sind?

Heute ist der Moment, zu beginnen, etwas zu verändern. Stück für Stück, mit der Haltung und dem Menschenbild beginnend, über die Familie, die Arbeit, hinaus in die Welt. Heute ist der Zeitpunkt, Teil eines großen Wandels zu sein. „Hoffnung kommt durch Handeln, aber man kann auch handeln ohne Hoffnung“ sagt vor einiger Zeit Felix, ein Coach zu mir, als ich mich in einer sehr verzweifelten Lage wiederfand. Und das ist wahr. Ich selbst aber handele heute mit sehr viel Hoffnung, denn ich glaube daran, dass ein Wandel möglich ist. Denn wir sind viele, und wir werden mit jedem Tag mehr.


Quellen:

[1] Youtube: Fridays for Future DE, Webinar mit Vanessa Nakate, 4.4.2020

[2] E.b.d.

[3] Lokalkompass.de: „Die Corona-Lehre“, Thomas Gsella 21.3.2020

Erwachen

 Erwachen

Treiben- in nachtschwarzer Tiefe.
Weich, undurchdringlich wie Samt.
Willenlos. Selbstlos.
Ein Schimmern, weiches Licht
berührt die träumenden Sinne.
Es streift mich, wie die Schwingen eines Vogels.
Lockend – doch noch lastet die dunkle Schwere auf meiner Brust.
Ein Stoß und ich schwebe – angezogen vom Schimmer der Ferne,
und gehalten von der samtschwarzen Tiefe.
Analogfotografie von mir

 Erwachen

Treiben- in nachtschwarzer Tiefe.

Weich, undurchdringlich wie Samt.

Willenlos. Selbstlos.

Ein Schimmern, weiches Licht

berührt die träumenden Sinne.

Es streift mich, wie die Schwingen eines Vogels.

Lockend – doch noch lastet die dunkle Schwere auf meiner Brust.

Ein Stoß und ich schwebe – angezogen vom Schimmer der Ferne,

und gehalten von der samtschwarzen Tiefe.

Ernste Gedanken

Eigenes Bild, Italien 2019

Corona-Frühling

Es ist so schnell Frühling geworden. Die Pflanzen strecken ihre hellgrünen, zarten Blättchen gen Sonnenlicht. Um mich herum singen Meisen, Amseln, in der Ferne krächzt empört eine Elster. Und obwohl es wunderschön hier draußen ist, sehe ich fast keine Menschen. Ist es die Angst vor einer Corona-Infektion? Oder schlafen alle noch, an diesem Sonntagmorgen? Ich sitze hier allein im Park, und habe Hoffnung und Angst beim Gedanken an die Welt.

Am Beispiel des Coronavirus habe ich gesehen, wie schnell unsere Regierung entscheiden kann, wie schnell gehandelt wird, wenn der politische Wille da ist. Wie schnell Fernflüge weniger werden, wie schnell strenge Maßnahmen eingeleitet werden zum Schutz der Bevölkerung. Wie viele Menschen ein Verständnis für die Maßnahmen zu haben scheinen.

Es steckt ein Potential darin, dass wir jetzt so viel Zeit haben, nachzudenken, andere Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren, miteinander zu sprechen und gute Bücher zu lesen. Wir könnten uns mit dem Sinn unseres Lebens beschäftigen, Atem holen und neue Entscheidungen treffen. Wir könnten die Zeit nutzen, unser Leben zu verändern.

Doch neben der Hoffnung, dem Potential habe ich Angst. Ich sehe, wie Menschen auf der Flucht an der Grenze zu Europa leiden müssen, mit Abschiebungen rechnen müssen, wie sie erschossen werden. Währenddessen ertrinken tausende Menschen im Mittelmeer, müssen in Lagern unter unmenschlichen Bedingungen leben, und die Nächte in Kälte und Hunger verbringen müssen.

Geflüchtete Menschen, die von türkischer Seite aus über die Grenze nach Griechenland gelangen wollen, werden mit Hochdruckgeräten, die üblicherweise in Windkanälen für Fallschirmspringer eingesetzt werden, von der Grenzpolizei davon abgehalten, die Grenze zu überqueren. Mit den riesigen Ventilatoren wird Rauch und Tränengas auf die türkische Seite geblasen. (wa.de, Stand 15.3.2020, 12:30 Uhr)

Es wird von EU-Seite weiter gerüstet, Frontex unterstützt die „freiwillige“ Rückkehr von Geflüchteten in ihr Herkunftsland. Ursula von der Leyen konzentriert sich laut ihrer Twitter-Ankündigung (11.3.2020, https://twitter.com/vonderleyen) lieber auf die Bekämpfung von Corona, als auf die Zukunft von 5500 minderjährigen Menschen, die ohne Begleitung an der Grenze zu Griechenland warten.

Wie schnell das Ideal der Menschenrechte und der Menschenwürde vergessen scheint. Mir macht es Angst, dass während einer solchen Menschenrechtskatastrophe der politische Fokus auf einem Virus liegt.  Dass Menschen aus Angst um sich selbst kiloweise Vorräte kaufen, wogegen im Angesicht der Klimakrise und der Menschenrechtslage an den Grenzen der EU viel zu wenig getan wird.

Mir macht es Angst, dass in einer solchen Zeit, in den Corona-Meldungen immer präsent sind, so wenig über den Wandel gesprochen wird, der in unserem Zusammenleben, unserer Wirtschaft und in unserer Politik kommen muss, um der Klimakrise in Zukunft entgegen zu treten. Dass mit Tränengas gegen schutzsuchende Menschen vorgegangen wird. Dass Menschen an der Grenze erschossen werden. Dass Identitäre und Neonazis aus ganz Europa nach Lesbos fahren, um Geflüchtete zu jagen. (www.rnd.de, deutsche-neonazis-auf-lesbos, Stand 15.3.2020)

Während die Natur um mich herum so friedlich scheint, als würde sie Atem holen, ist die Welt im Krieg. Menschlichkeit wird zur Phrase und jeder schützt sich selbst zuerst. Doch der Himmel über den Metropolen in China ist wieder zu sehen. Der CO2 Ausstoß sinkt. Doch dies kann nicht der Weg in Zukunft sein. Wir können keine Schulen, öffentlichen Einrichtungen schließen, Versammlungen verbieten wegen der CO2-Bilanz. Aber die Zeit ist spätestens jetzt gekommen, über unsere Zukunft als Menschheit ernsthaft zu reflektieren.

Ich möchte mit diesem Text nicht die Gefahren von Corona herunterspielen. Wir sollten alle auf uns aufpassen, unser Immunsystem stärken und uns gesund ernähren. Dennoch fällt es mir schwer anzunehmen, dass zum Beispiel in Frankreich alle Maßnahmen ergriffen werden zum Schutz der Bevölkerung vor dem Corona-Virus aufgrund von 91 Corona Toten, während allein 2019 nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 1283 Menschen im Mittelmeer ums Leben kamen, in den vergangenen fünf Jahren mehr als 19.000. (www.dw.com neue-tragödien-im-mittelmeer, Stand 15.3.2020)

Warum werden Menschenleben so unterschiedlich behandelt? Alle Menschenleben sind doch gleich viel wert! Es zeichnet ein trauriges Menschenbild, wie schnell gehandelt werden kann, wenn es darum geht, die eigene Haut zu retten. Wie wenig dagegen bei Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und Menschenrechten passiert, wenn augenscheinlich der politische Wille fehlt.

Ich habe Hoffnung, dass wir uns in der kommenden Zeit beginnen, über unser Leben nachzudenken, Zeit mit der Familie verbringen und gute Bücher lesen, uns selbst hinterfragen. Ich zumindest werde das mal wieder tun.

Es ist eine merkwürdige Mischung zwischen Hoffnung, Trauer und Angst, die ich zu dieser Zeit spüre. Und das alles an so einem schönen Frühlingsmorgen, der so friedlich begann.

Auf dem Weg

Foto von Ruben Götz, Quellhof 2019

Freude, Trauer, Angst und Glück. Die Gefühle sind überbordend, sprudeln und sie kann sich kaum halten. Manchmal möchte sie schreien. Doch etwas hält sie zurück. Sie passt sich an, versucht nicht aufzufallen. Eigentlich möchte sie einfach nur „normal“ sein. Was auch immer das sein mag. Wer sagt denn eigentlich, dass die von der Gesellschaft bezeichneten „Sonderfälle“ nicht die eigentlich „menschlichen“ unter uns sind? Spannend, einzigartig bist du doch, wenn du anders bist. Neu.
Angepasst? Nein. Sie will kein bequemes Leben. Veränderung trägt sie. Glühen. Anstrengungen, an Grenzen stoßen.


Das ist Leben! Aufregend, Hochgefühl, das Himmelschweben, im Strom der Inspiration baden. Als sie so aus dem Fenster starrt, sinnierend, steigen ihr mit einem Male Tränen in die Augen. Sie hat Angst.
Angst davor, irgendwann zurückschauen zu müssen und zu sehen: ich hatte ein normales, bequemes Leben. Ohne Veränderung. Angepasst. Wird es irgendwann darauf hinauslaufen? Enden alle Träume auf diese Art und Weise?
Was ist meine Aufgabe?
Wo musst du ansetzen?

Losgehen, den Weg finden. Nach dem Unmöglichen fragend das Mögliche erkennen. Die Grenzen ausdehnen, den Konventionen so richtig einfeuern.

Es ist eine lange, schwere Suche. Voll Tod und dem intensivsten aller Leben. Eine Grenzgängerin, die Unsicherheit ist ihre Heimat. Freiheit bedeutet für sie, auf sich selbst gestellt Entscheidungen treffen zu können. Holprig ist der Pfad, noch wenige Menschen sind ihn gegangen, und das ist auch schon lange her. Spitze Dornen zerkratzen auf dem Weg ihre nackten Waden, sie watet durch Flüsse, springt über eine tiefe Schlucht, wo in der Tiefe ein Bergbach tost. Sie steigt bis zu den Wolken, will dort einen Weg finden, wo noch kein Mensch vor ihr gewesen ist. Langsam wird es dunkel, im hellen Mondlicht sieht sie nur schemenhaft die nächsten Stufen aus Stein, die sie ihrem Ziele näherbringen. Als die Müdigkeit sich über ihre Augen legt, lässt sie sich ins Heidekraut sinken und betrachtet versonnen die glimmenden Sterne. Sie denkt an lang verflossene Zeiten, als die Menschen noch in den Sternen die Götter sahen. Die kosmische Schönheit als Ideal der Bildung ansahen, im Bewusstsein ganz in ihrem Umkreis, in der Natur. Ewig, ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgend, zogen die Götter ihre Kreise am samtblauen Himmelsgrund. Zu ihnen aufschauend fanden die Seelen auf Erden ihren Weg, die Bestimmung dieses Lebens. Doch dieser Zugang ist ihr verbaut. Meistens weiß sie gar nicht, ob sie überhaupt an Götter glauben sollte. Wäre das irreführend, lähmend? Würde sie damit ihre Freiheit ein Stück mehr aufgeben müssen? Oder würde sie andere Ziele verfolgen. Es ist kalt geworden in dieser späten Mondnacht. Still schaut sie an den Himmel, das Willensfeuer wärmt ihre Brust. Die Erde schweigt.

Als die Vögel mit lautem Gesang den Morgen begrüßen erwacht sie mit schmerzenden Gliedern. Fröstelnd streckt sie ihre kalten Glieder im Licht der ersten Sonnenstrahlen, die sanft ihre zimtfarbene Haut streichen. Der Weg ist lang und sie möchte weiter. Langsam, Schritt für Schritt wandert sie durch das hellviolette Heidekraut. Streift mit den Fingern sanft und liebevoll die schmalen Nadeln der Pinie und atmet frische Morgenluft. So geht sie weiter, die Flamme im Herzen und findet ihren ganz eigenen Weg durch eine von Verwirrungen durchzogene Welt.

Selbstliebe


Ich will nicht geliebt werden für eine Leistung. Auch nicht für meinen Status, mein Aussehen oder dafür, dass ich bin wie es sich andere wünschen. Ich werde keinem dieser Bilder je entsprechen können. Es sind letzlich nur Erwartungen, Wunschträume, Trugbilder, leerer Schein. Das, wofür ich geliebt werden möchte, ist meine bloße Existenz, meine Haltung und meine Leidenschaft. Denn meine ganze Unvollkommenheit, und die der Welt, kann ich nicht als Mangel empfinden, sondern als Entwicklungspotential. Als Möglichkeit, zu wachsen.
Unfreiwillig stehe ich schon wieder vor dem kleinen Spiegel im Badezimmer, überlege, ob ich nicht doch noch ein bisschen Make-Up hier, und ein bisschen mehr Sport da gebrauchen könnte. So ist diese Forderung, geliebt zu sein, nur Aufgrund der eigenen Existenz zunächst an mich selbst gerichtet. Im nächsten Schritt möchte ich darauf aufmerksam machen, wie oft wir anderen Menschen mit einer Erwartung begnen. „Weil ich das mache, verdiene ich auch…“ oder „Oh, jetzt bin ich dir etwas schuldig…“ sind oft gedachte und gesprochene Sätze. Ich frage mich, woher diese Tauschlogik im Zwischenmenschlichen kommt.

Ist er*sie auf meinem Level? Passen wir zusammen?

Ich finde das ziemlich gruselig, diese Suche nach diesem Menschen, der „auf meinem Level“ ist, mein Niveau hat. Das fühlt sich nicht nach Liebe, nach Offenheit und Entfaltung an, sondern nach einem, nach kapitalitischer Logik geformten, Korsett. Nach einem neuen „Markt“, der sich eröffnet. Als müsse ich jetzt Werbung für mich machen, mich als Produkt präsentieren, in mich investieren. Mein Charakter, meine Leidenschaften, meine Gefühle und wer ich bin, bleiben dabei auf der Strecke.

Ich bin nicht genug. Warum kann ich das nicht so gut wie die Anderen? Das kann ich doch gar nicht.“

Woher kommen diese Sätze? Ist es die Bildung, die Erziehung? Die Schule ist rational. Die Gefühle, das Gespür für den Körper lernen wir nicht durch arithmetische Formeln und Rechtschreibung. Oft bekommen wir von Lehrer*innen und der Gesellschaft gesagt: „Stell dich nicht so an…, Iss deinen Teller leer… Nimm dich mal ein bisschen zurück.“ Aber sagen diese täglichen Botschaften uns nicht ständig, „du bist nur in Ordnung, wenn du so bist, wie es andere wollen“?

Doch was nun? Ich muss mich anpassen, um nicht aufzufallen, um nicht von den Lehrpersonen bloßgestellt, von den anderen Kindern geärgert zu werden. Ich möchte unsichtbar werden, mich ständig perfektioneiren, um dazu zu gehören. Und all das, um geliebt zu werden?

„Mit der neuen Zahnpasta von XXX sind deine Zähne jetzt strahlend weiß! Und damit wird deine Haut völlig Faltenfrei„, sagt eine junge Frau mit gekünsteltem, wortwörtlich blendendem Lächeln.

Eine junge Frau räkelt sich auf einem Liegestuhl. Sonnenstrahlen werden von den „perfekt“ rasierten, gebräunten Beinen reflektiert. Sie lacht mit blended weißem Gebiss, als ein junger Mann, augenscheinlich einem Fitnessstudio frisch entlaufen, um die Ecke biegt. Jetzt wird ein Rasierer angeprisen, welcher mir verspricht, ich werde garantiert genau so aussehen, und diesen Mann haben, auch so glücklich sein, wenn ich damit die Beine rasiere. Ich stocke. So werde ich niemals aussehen. Ich kann nicht so unnatürlich perfekt sein. Egal was ich trage, was ich tue, ich bleibe ich selbst. Eigentlich will ich gar nicht auf diese Werbung hereinfallen, welche mir heteronormative, unrealistische Menschen zeigt, an unrealitischen Orten, mit Photoshop perfektioniert. Das alles sagt mir, ich bin nicht gut genug, ich müsse noch besser werden, ich müsse aussehen, wie die Models in der Werbung, um etwas wert zu sein. Auch auf Social Media Kanälen werde ich ständig mit Schönheitsnormen, den neuesten „Trends“ und dem perfekten neuen Make-Up konfrontiert. Letztes Jahr habe ich absichtlich meine Abonnements von Kanälen beendet, wo ich gemerkt habe, dass ich mich ständig vergleiche mit perfekt trainierten Körpern und glatt rasierten Beinen. Sich vergelichen an sich ist nichts schlechtes. Es kann mich motivieren, mein Potential zu entdecken, Dinge zu lernen, mich inspirieren. Aber wenn ich mich dadurch schlechter fühle, überlege, ob ich gut genug bin, mich herabwerte, dann tut das nur der Kosmetikindustrie gut.

Ist es nicht viel wichtiger, zu lernen, sich selbst zu lieben oder zumindest anzunehmen? Denn das ist für mich Herausforderung genug. Nachdem ich in dieser Gesellschaft großgeworden bin, andauernd mit normativen Schönheitsidealen konfrontiert wurde, möchte ich nun nach und nach lernen, mich selbst wertzuschätzen und zu lieben. Das funktioniert an vielen Tagen gut, manchmal gar nicht. Und das ist völlig okay. Denn das ist kein Wettbewerb, kein Zwang. Nur ein Weg, einen Schritt zu mir mir zu machen, um dann anders durch die Welt gehen zu können.

Hab Mut, du bist genug.

Muss ich mich selbst zerstören, um die Welt zu retten?

Muss ich mich für die Rettung der Welt selbst zerstören? Bin ich prädestiniert für Leid und Stress, wenn ich mich mit der Klimakatastrophe auseinandersetze?

Gewissermaßen ja. Je mehr, je intensiver ich mich mit apokalyptischen Klimastudien auseinandersetzte, desto mehr fühlte ich Verzweiflung, Hilflosigkeit angesichts dessen, was uns als Menschheit bevorsteht. Aufgewachsen und sozialisiert in einer globalisierten Gesellschaft kann ich nicht umhin, die Menschheit im Gesamtkontext zu betrachten, mich mit dem Leid und der drohenden Zerstörung auf unserem Planeten zu verbinden. Ich fühle mich oft allein verantwortlich, denke, mit dem nächsten Handlungsschritt werde die Welt sichtbar besser, es geht nur noch um die Welt und die Eigenverantwortung. Oft passiert es, dass Menschen auf andere zeigen und sich gegenseitig den Vorwurf „Mach doch du mal mehr…“ an den Kopf werfen. Doch damit ist weder dem Klima, noch der Menschheit geholfen. Im Gegenteil. All dies beruht auf einem Konkurrenzdenken, einem ständigen Selbstvorwurf und einem Handlungsdruck, welcher nicht nur jegliche Kreativität blockiert, sondern zu Depression, Burn-Out und permanenter Erschöpfung führt.

„Wenn ich in die Welt schaue, dann denke ich, dass die Dinge ganz schön aus dem Ruder gelaufen sind.“ Sagt Viktor, ein junger Aktivist von Extinction Rebellion in einem Workshop zum Thema „Wie die Klimakrise uns psychisch belastet“. Eine junge Frau erzählt unter Tränen von ihrer Liebe zur Natur und den Vögeln, von ihren Kindern und der ständigen Frage, wie in deren Zukunft die Menschheit leben werde. Die düsteren Prognosen sind von Stürmen, Flutwellen, untergehenden Städten, Nahrungsmittelknappheit und mangelndem sauberen Trinkwasser in Europa, überall auf der Welt geprägt. In der menschlichen Psyche gibt es verschiedene Muster, mit solchen Fakten und Bildern, welche so schwer fassbar sind, umzugehen. Meistens werden Angstgefühle, Wut und Verzweiflung entweder rationalisiert durch das Lernen von Fakten, oder die Wut wird auf Andere verlagert, dort wird Schuld gesucht. Manche Menschen ziehen sich ganz zurück, fühlen sich gelähmt. So kann die Sorge uns einerseits ins Handeln bringen, oder sie kann auch obsessiv werden, uns in Panik versetzen. Die meisten Menschen bringt Angst nicht weiter, denn sie reißt jeden Anker, der im Leben gesetzt wurde, mit sich. Haltlosigkeit, das neue psychologische Phänomen „Klimaangst“ sind mögliche Folgen.

Unter Aktivist*innen ist oft ein Resultat-Denken etabliert: „Erst wenn sich etwas verändert, dann habe ich etwas geleistet.“ Diese Denkmuster sind mir auch sehr vertraut, besonders aus der Abiturzeit, wo nur sichtbare Leistung, zeigte, ob ich wirklich „gearbeitet“ hatte. Der Lernprozess, die Tatsache, dass es sich im Leben selten um Sprints, sondern meist um Marathons handelt, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Manchmal, wenn ich nach einem arbeitsreichen Tag etwas nur für mich tue, habe ich Schuldgefühle, denke, ich hätte nichts geschafft, und wäre egoistisch. Das flüstert mir zumindest mein böses Stimmchen ins Ohr. Gleichzeitig ist mir evident, dass ich mir, der Welt und den anderen weder helfen, noch bei ihnen sein kann, wenn ich mich überarbeite, außer mir bin und nur an Leitung und Ergebnis denke. Und das im Aktivismus, wo doch so oft über Nachhaltigkeit gesprochen wird (so ausgelatscht das Wort auch sein mag…).

Wenn ich ständig versuche, andere von meiner Meinung zu überzeugen, dann kann das ziemlich abschrecken, zu Protesthandlungen führen. So auch bei meinem autistischen Bruder. Als ich Veganerin wurde, und ihm immer wieder versuchte zu erklären, dass er wenigstens kein Billigfleisch aus Massentierhaltung kaufen solle, begann er mir blutrünstige Geschichten zu erzählen, welches Reh er als nächstes schlachten wolle. Diese einerseits völlig lächerliche, andererseits für mich psychisch belastende Protestreaktion ist weit verbreitet. In meiner Familie löste sich das Thema ein wenig, nachdem ich an einem Familienabend darauf bestand, den Dokumentarfilm „Cowspiracy“ anzuschauen, und, nachdem ich in Tränen ausgebrochen war, als ich meinen Bruder mit einer Maxipackung billiger Wienerwürstchen im Flur antraf. Er verstand das erste Mal meine emotionale Betroffenheit und seitdem spricht er nicht mehr über Fleisch in meiner Gegenwart und kauft ganz selten ein Biowürstchen, ganz heimlich natürlich. Diese erste Reaktion, des ständigen Thematisierens, die Witze, und der demonstrative Fleischkonsum sind Protesthandlungen, welche ich in unserer Gesellschaft sowohl beim Klimaschutz, als auch bei anderen politischen Themen beobachte.

Doch wie kann ich mit der Belastung der Klimakatastrophe, den apokalyptischen Prognosen, dem Leid umgehen? Hierfür gibt es kein Patentrezept, denn die ist so individuell wie jede*r Einzelne von uns. Doch die meisten Menschen, auch ich selbst, brauchen eine Gruppe, in der sie sich angenommen fühlen, wo sie nicht ständig infrage gestellt werden, wo sie als Mensch gesehen und geschätzt werden. Gleichzeitig stehen wir heute vor der Herausforderung in der Unsicherheit leben zu lernen. Eine Offenheit für das, was auf uns zukommt und eine große Vision zu haben. Vielleicht haben wir heute verlernt, groß zu träumen, aber das können wir wieder lernen. Das Einzige, was wir heute wirklich falsch machen können ist zu klein zu Denken und die Visionen unserer Zukunft durch Realpolitik begrenzen zu lassen. Diese Denkweise hat uns zum Teil in die Krise gebracht, und wie Einstein schon sagte: „Man kann die Probleme von heute nicht mit der selben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Wenn ich sage, wir müssen lernen, in Unsicherheit zu leben, dann meine damit ich nicht, dass wir so Leben sollten, als käme nach uns die Sintflut, weiter zu konsumieren und nicht über Morgen nachzudenken. Vielmehr meine ich, wir müssen die Freiheit verstehen, die uns gegeben ist, jeden Tag neu zu entscheiden, was für ein Mensch wir sein wollen, in den aktuellen Umständen. Wir müssen lernen, integer zu handeln, nicht auf die Erlaubnis von irgendwem zu warten, und einfach loslegen. Die Welt in Freiheit neu denken, und ein großes Stück friedlicher, bewusster, liebevoller zu machen. Wenn ich aus Integrität handele, dann endet meine Aktion nicht mit dem Abflauen einer Bewegung. Ich gehe weiter meinen Weg, für den ich mich in Freiheit entschieden habe. Heute wird der Begriff Freiheit oft missbraucht, um Wachstum, übertriebenen materiellen Reichtum Leben ohne Maß und willkürlichen Konsum zu rechtfertigen. Das ist für mich jedoch keine Freiheit, denn diese endet dort, wo ich andere in Gefahr bringe durch mein Handeln. Es ist ein goldener Käfig, in den ich hineingeboren wurde, den ich nicht gewählt habe, welcher mich in einem System erwachsen werden lässt, wo es selbstverständlich ist, nicht wissen zu wollen, auf wessen Kosten wir leben. Dieser Lebensstil wird durch Leid und Grausamkeit möglich gemacht, durch Kinderarbeit, Ausbeutung und modernen wirtschaftlichen Imperialismus.

Ich möchte aus Mitgefühl handeln, an die Menschlichkeit der Entscheidungsträger*innen von heute appellieren, denn morgen, werden wir als nachfolgende Generation die Konsequenzen tragen. So versuche ich jeden Tag meine Rolle zu finden in aktivistischen Gruppen, denn die Gesellschaft von heute erscheint mir oft so fremd. Ich frage dich als Leser*in, was deine Rolle ist, welche Fähigkeiten du gerne einsetzen möchtest, um die Welt zu verändern, was der konkrete tägliche Beitrag sein kann. Wobei es mir wichtig ist, dass du bei meiner letzten Frage nicht nur an persönliche Konsumentscheidungen denkst, denn das allein reicht nicht. Wenn es in einem System fast unmöglich ist, klimagerecht zu leben, dann sollten wir über Alternativen dafür nachdenken.

Seit ich den Workshop besucht habe, gehe ich bewusster mit leistungs- und ergebnisorientierten Gedanken um. Ich atme öfters tief durch, entspanne mich bewusst und versuche nur meinen Atem, meine Hände oder meine Füße zu spüren, um nach der Reizüberflutung zu mir zu kommen. Meine Pausen sind nicht für mein Smartphone gedacht, welches mir so oft Zeit raubt. Sie sind nur für mich, und meine Erholung.

Ich freue mich sehr, dass du bis hier gelesen hast und auf meinem Blog gelandet bist. Wenn du Benachrichtigungen bekommen möchtest, wenn ein neuer Text online ist, dann abonniere meinen Blog. Ansonsten wünsche ich dir eine schöne Zeit und pass auf dich auf.

Warum zerstört ihr weiter die Welt?!

Die Bilder sind erschreckend. Wie versteinert sitze ich mal wieder mitten in der Nacht vor meinem Bildschirm, in völliger Dunkelheit. An Schlaf ist nicht zu denken. Die Bilder von brennenden Wäldern, die Verzweiflung über Konzernbosse, die weiter in Kohle investieren und die schreiende Ungerechtigkeit eines Systems, in welchem nur die Stimmen gehört werden, die über finanzielle, wirtschaftliche Macht verfügen, rauben mir jede Gelassenheit.

Seit September 2019 gibt es riesige Buschbrände in Australien, während Australiens Premier sagt, unter ihm werde es keine Klimaschutzmaßnahmen geben, welche der Wirtschaft schaden. Die Tatsache, dass die Brände immer mehr Todesopfer fordern, unzählige Tiere verbrennen, ja ganze Tierarten innerhal weniger Stunden aussterben, und die Lage sich sogar immer weiter verschlimmert scheint für ihn nicht von Belang zu sein. Er liebäugelt fröhlich mit der Kohle und missachtet dabei Menschenrechte. Doch so kann und darf nicht weiter Politik gemacht werden! Die Tatsache, dass mithilfe des Unternehmens Siemens jetzt noch die größte Kohlemine der Welt in Queensland, Australien geöffnet werden soll, macht mich fassungslos. So viel Ignoranz zeigt uns: wir müssen weiter für unsere Zukunft auf die Straße gehen. Ob mit Fridays for Future, Ende Gelände oder Extictin Rebellion o.A. Scheinbar haben einige Politiker*innen noch immer nicht verstanden, dass es um unsere Existenz und nicht weniger geht! Wenn der Verlust von Wähler*innenstimmen so furchteinflößend ist, dass alle Maßnahmen viel zu spät eingeleitet werden, dass der Kohleindustrie noch immer Geld in den Arsch geschoben wird ist ein Armutszeugnis. Wenn schon mit einer weltweiten Erwärmung von 1°C derartige Buschbrände entstehen, können wir uns dann vorstellen, wie es mit 3°C oder mehr wird? Die aktuellen Klimaschutzpläne der Bundesregierung steuern nämlich auf genau diese Klimakatastrophe zu! Geht weiter mit auf die Straßen, denn das, was passiert ist bei weitem nicht genug. Warten auf Kosten von Menschen in geografisch benachteiligten Gebieten und auf Kosten von uns und unseren Kindern ist keine Option. Ich verstehe nicht, wovor wir Angst haben sollten mit konsequentem Klimaschutz. Für mich ist das Szenario des „Business as usual“ nämlich ziemlich beängstigend.

Change ist coming, whether you like ist or not.

Greta Thunberg

Schmerz in meinem Herz, alles verzerrt
Will nur noch schreien, kann nicht verzeihen
Die Gier nach viel zu viel.
Aufgefressen, die Ressourcen, alle besessen
Von Geld, Rendite, Kredite doch wie viel ist zu viel?
Die Erde zerfiel in den Fingern von Kindern
Die nur leben wollten, streben sollten nach ihrer Zukunft
Hoffnung wurde zur Phrase, denn die Vernunft
War tot.
 
Ein neues System? Wo kämen wir da hin?
Wir werden die Konsequenzen tragen
Von Entschlüssen, keiner wollte uns fragen
Ob wir weiter wollen Kohle, die nicht ist zum Wohle
Aller, wird abgebaut.
 
Wir werden beschimpft, verunglimpft, erniedrigt
Doch wir werden nicht kleiner, wir werden mehr
Die nicht mehr warten und zusehen wollen.
Wie Tier und Mensch verbrennt im Busch
Vertuscht wird, dass ein Wandel kommen muss
Im System, Zusammenleben, Wert erstreben.
Ich kann nicht warten, warten, gefüttert von leeren Phrasen
Es sind Versprechen, ihr werdet sie brechen
Wenn wir nicht bleiben hier, und zeigen: wir wollen nicht kollabieren.
 
Hass lodert mir entgegen wenn ich nicht mitgehe
Wenn ich unbequeme Fragen stelle,
die ihr euch nicht selbst zu fragen wagt.
Ihr wollt euch verteidigen
„Ich kaufe auch nur Bio! Ich fliege nur selten! Und außerdem esse ich nur wenig Fleisch. Vom Metzger nebenan.“
Lustig, denke ich. Doch kann nicht lachen.
Alle erzählen mir diese Geschichte, wollen reinwaschen ihre Weste, die doch befleckt ist von Blut.
Wenn alle das „tolle“ Bio-Fleisch nebenan kaufen würden, gäbe es nicht hauptsächlich Tiere in Massentierhaltung oder?
 
Wenn ich dann wieder anfange meine Fragen zu stellen, beginnen sie wie verletzte Hunde zu bellen.
„Hörst dus nicht? Nur wenig Fleisch!“
Auf Nachfrage stellt sich heraus, der Salamischmaus ist kein Fleisch, und Tierwohl sein ja so wichtig.
 
Die leeren Worte erscheinen nichtig im Anblick brennender Wälder,
Voll von Soja für die Schweinemast.
Die Erde leidet, ihr stummer Schrei schneidet sich in mein Herz
Weltschmerz fühl ich, doch wie zum Scherz hebst du die Brauen,
Klopfst mir auf die Schulter. „Lass das alter!“
Als wärs ein Trost sagst du mir, hier
„Dir, ist nicht zu helfen, Frau. Die Welt ist halt scheiße“.
 
Ich glaub das nicht, verziehe mein Gesicht, doch verzichte auf einen Kommentar.
Denke still, im System des Wachstumszwangs sind wir nun mal gefangen, identifiziert mit unserer Arbeit, an die wir verschenken Lebenszeit.
Doch es ist nicht zu spät, wenn man versteht.
Wir wollen so nicht weiterleben,
Schuld tragen an Erdbeben, Wirbelstürmen, draußen tobts
Drinnen starren wir auf die Displays trostlos
Warten, warten trauen uns wegen der Hitze nicht in den Garten,
vergessen, was wir als Kinder mal wollten
Denn Träume haben damals gegolten, bis sie verscholten
Wurden als nicht lukrative Gedankenspiele.
 
Unsere Kinder stehen heute da
Bessere Zukunft gibt’s nicht, leider wahr
Uns erwartet Ungewissheit, es verbleibt wenig Zeit zu handeln vereint.
Wir ertrinken im Überfluss, übersättigt liegen wir, nur Verdruss
Andere Verhungern, fliehen müssen um ihr Leben bangen
Wenigen wird geholfen, viele Boote sanken.
 
Wut erfüllt mich,
Wir können nicht mehr warten,
Sich wandeln wollen viele.
 
 
Der Wandel wird kommen, doch wie benommen
Konsumieren sie weiter, mehr, mehr, mehr!
Banken, Konzerne, kommt alle her!
Gerettet seid ihr, die Welt ists nicht wert
Denn das bringt heute kein Profit
Statt sich zu wandeln, provozieren sie Krieg.
 
Ich will leben, ist das zu viel?
Ein Leben für alle, Hoffnung und viel Menschlichkeit
Denn genau danach sehne ich mich in dieser Zeit.
 
Die Zeit rennt, ich sehe wie unsere Erde verbrennt
Spür den Schmerz, und stehe auf denn ich will handeln
Wandeln, und nicht stehen vor einem Scherbenhaufen
Weil das Geld mehr wert schien als unsere Welt.